Neues Ziel für US-Fahnder: Jetzt zittern Anwälte und Treuhänder

20minuten.ch (11. Juli 2012) – Nach den Banken nimmt die US-Steuerbehörde deren Zulieferer ins Visier. Das zeigt ein Amtshilfegesuch gegen die Liechtensteinische Landesbank, das am 11. Mai in Vaduz einging.

Es geht um Hunderte, wenn nicht Tausende von Zulieferern des Finanzplatzes: Rechtsanwälte, Treuhänder, externe Vermögensverwalter und andere sogenannte Drittanbieter. Sie alle müssen befürchten, im Zuge der Schwarzgeld-Aufräumarbeiten ins US-Feuer zu geraten.

Die Gefahr ist real. Das zeigt ein Blick in das amerikanische Amtshilfegesuch gegen die Liechtensteinische Landesbank (LLB). Dieses fordert nicht nur die Daten von US-Steuersündern, sondern auch jene von «Third Party Advisors», also Drittanbietern.

146 Halb-Millionäre betroffen

Das US-Justizministerium DOJ hat die Amtshilfe am 11. Mai mit einem 24 Seiten starken Gesuch bei der Steuerbehörde in Vaduz beantragt. Nun müssen alle Informationen rund um US-Kunden mit mehr als 500 000 Dollar bei der LLB offengelegt werden.

Solche Halb-Millionäre soll es allein bei der LLB mindestens 146 geben. Das sieht nach wenig aus. Doch die LLB ist im US-Steuerfall keineswegs ein kleiner Fisch. Die gesamten, von der Staatsbank gehaltenen US-Vermögen summierten sich bereits per Ende 2006 auf knapp 800 Millionen Dollar. Im Zuge der UBS-Affäre, als viele Amerikaner eine neue Bank suchten, wurden es noch mehr.

Zulieferer der Schwarzgeld-Ära im Visier

Worum es im Kern geht, machen die US-Behörden zu Beginn ihres Amtshilfe-Dokuments mit Nummer 182-34811 klar. Sie würden eine grosse Strafuntersuchung in Steuersachen wegen Verschwörung führen. Im Visier stünden einerseits US-Personen, andererseits Drittanbieter. Nicht betroffen seien hingegen die Mitarbeiter der LLB.

Somit ist klar, worauf es die USA abgesehen haben: Nachdem sie die Banken in der Schweiz und in Liechtenstein sturmreif geschossen haben, zielen sie nun auf die Zulieferer der Schwarzgeld-Ära.

Achse Zürich-Vaduz lief wie geschmiert

Diese hatte sich durch eine clevere Zweiteilung ausgezeichnet. An der Zürcher Bahnhofstrasse liessen sich die vermögenden Kunden von ihren Private Bankern verköstigen und verwöhnen und verjubelten ihr steuerbefreites Vermögen in den teuren Boutiquen und Bijouterien.

100 Kilometer östlich, im grau-tristen Vaduz, erledigten die Treuhänder und Buchhalter die weniger glamouröse Feinarbeit. Sie versteckten das unversteuerte Geld in Strukturen, gründeten Stiftungen, verschoben die Gelder in die Karibik oder bauten Gesellschaftskaskaden mit dem Ziel, die wahren Begünstigten zu verschleiern.

Die Achse Zürich-Vaduz lief wie geschmiert. Zürich war das herausgeputzte Oberdeck, Vaduz der ölverschmierte Maschinenraum. Beide Finanzzentren wussten, was sie aneinander hatten. In der Blütezeit der Steueroasen bestand jahrzehntelang eine stille Übereinkunft über die Rollenverteilung.

Das grosse Zittern der Hintermänner

Damit ist längst Schluss. Dass jetzt aber vor allem die Hintermänner des einstigen Offshore-Wunders zittern müssen, dürften die Betroffenen als unfair empfinden. Schliesslich handelten sie immer nur im Auftrag der Banken und ihrer Manager und Vermögensverwalter. Sie erledigten die Drecksarbeit für die noblen Herren des Paradeplatzes.

Jetzt droht ihnen die totale Offenlegung. Die USA fordern alle Dokumente und Korrespondenz ab Januar 2001, die «sämtliche Dritt-Partei-Anbieter» betreffen. Jeder noch so kleine Anwalt, der im Verlauf seiner Karriere eine kleine Stiftung mit einem Amerika-Bezug aufgestellt hatte, muss befürchten, in den Strudel der grossen Aufräumaktion zu geraten.

Kollateralschaden

Derweil machen es sich die Banken einfach. Sie haben längst die Waffen gestreckt und kooperieren mit den US-Fahndern. Es war denn auch das umfangreiche Informationsmaterial von elf Schweizer Banken, das den USA die Tür zum grossen Fischzug gegen die eigenen Bürger und deren Finanzberater im Herzen Europas aufgestossen hatte.

Als Dankeschön winkt den Banken und ihren Chefs ein Deal mit Straffreiheit. Dass Kunden und Zulieferer ans Messer geliefert werden, fällt für Credit Suisse, Julius Bär und weitere honorige Institute unter Kollateralschaden.


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