UBS prüft den Einsatz von Historikern

Grossbank will mit externer Untersuchung der letzten zehn Jahre einer GPK-Forderung nachkommen. Tages-Anzeiger, 3. Juni 2010

Der Druck der Geschäftsprüfungskommissionen (GPK) auf die UBS zeigt Wirkung. «Wir prüfen den Einsatz einer externen Kommission, welche die letzten zehn Jahre seit der Fusion von Bankverein und Bankgesellschaft unter die Lupe nimmt», sagt ein hoher UBS-Manager, der nur vertraulich Auskunft gibt.

Die Idee einer Historikerkommission sei in der Chefetage gereift, sagt die Quelle. Zuletzt entscheide der Verwaltungsrat. «Es wäre eine Alternative zu einer Verantwortlichkeitsklage», sagt der UBS-Manager. Die Bank käme der GPK-Forderung nach, gleichzeitig könne eine externe Analyse den «Genesungsprozess» beschleunigen, sagt der Manager. Eine unabhängige Untersuchung berge wegen der rigorosen Transparenz aber auch grosse Gefahren. «Wir müssen das Prozessrisiko, vor allem in den USA, vorgängig rigoros abklären.»

Offiziell äussert sich die UBS nicht zum möglichen Einsatz einer Expertenkommission: «Der Verwaltungsrat wird aus dem GPK-Bericht seine Schlüsse ziehen und darüber informieren.»

Gemüter besänftigen

Dass die UBS-Spitze ausgerechnet jetzt über eine Historikerkommission nachdenkt, ist kaum ein Zufall. Die Bank könnte versuchen, damit die Gemüter zu besänftigen. Heute berät der Ständerat über den UBS-Staatsvertrag, am Montag der Nationalrat. Würde das Abkommen abgelehnt, müsste die Grossbank mit Prozessen in den USA rechnen.

Im Bericht fordern die GPK den Bundesrat und die UBS auf, mit einer vertieften Aufarbeitung die Voraussetzungen für Klagen zu schaffen: «Dabei messen die GPK einer völlig unabhängigen Aufarbeitung hohe Priorität bei. Dies ist beispielsweise durch ein neutrales Expertengremium zu gewährleisten.»

Persilschein der Finma?

Mit ihrer Forderung zeigen die GPK, dass sie an der Version der Finanzmarktaufsicht (Finma) zweifeln, wonach die früheren UBS-Spitzenleute keine umfassenden Kenntnisse des US-Betrugsmodells gehabt hätten. Erstmals schliesst eine offizielle Stelle nicht aus, dass es sich beim Finma-Freispruch für die UBS-Spitzenleute um einen Persilschein handeln könnte. Dass der frühere Chef Marcel Rohner und Ex-Präsident Peter Kurer «kein aktives Wissen» rund um die Vorkommnisse im US-Offshoregeschäft gehabt hätten, vermöge «nicht zu überzeugen», hält der Bericht fest. Als Begründung verweisen die GPK auf die «substanzielle Abhängigkeit» der Finma von den Erkenntnissen der UBS.

Als die USA ihre Ermittlungen gegen die Schweizer Grossbank auslösten, beauftragte die UBS die renommierte US-Anwaltskanzlei Wachtell Lipton mit einer internen Untersuchung. Wachtell und die UBS versprachen den US-Justizbehörden eine lückenlose Offenlegung.

Die Finma verteidigt ihr Vorgehen, sich bezüglich Verantwortlichkeiten auf die von der UBS bezahlte Wachtell-Analyse abzustützen. «Aus Ressourcengründen lassen wir die Knochenarbeit oft von der beaufsichtigten Bank durchführen», begründet Sprecher Alain Bichsel. «Im konkreten Fall war die UBS sogar von den US-Behörden verpflichtet, eine US-Kanzlei zu mandatieren.»


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